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Werden Bio-Milchkühe artgerecht gehalten?


So wurde bisher geantwortet :

Ja
Stimmen: 224
40.2%  
Nein
Stimmen: 331
59.4%  

Befragte   557

Antwort

Die Bio-Milchkuh-Haltung ist zwar artgerechter als die konventionelle, aber nicht artgerecht. Zum Beispiel verzichtet unter den Bio-Label, lediglich der Dachverband Demeter konsequent auf die sehr schmerzhafte Enthornung der Rinder.1 Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft formuliert es so: „Ökologische Haltungssysteme sind artgerecht. … artgerechtere Haltungsbedingungen können allerdings auch im Ökologischen Landbau im Konflikt mit wirtschaftlichen Zielen stehen...“.2

Zusätzliche Informationen

Unabhängig davon ob es sich um eine konventionelle oder biologische Haltung handelt, werden in beiden Fällen die Kühe regelmäßig geschwängert, um die Milchproduktion konstant groß zu halten. Auch bei der Bio-Haltung kann das Kalb nach wenigen Tagen von der Mutter getrennt werden. Es darf für maximal eine Woche lang alleine gehalten werden, bevor es mit anderen Kälbern in einer Gruppe, also etwas artgerechter, zusammenkommt.4 Dies soll Ansteckungen vermeiden. In der konventionellen Haltung, darf das Kalb bis zu acht Wochen alleine bleiben. Das Bio-Kalb bekommt in den ersten drei Monaten Kuhmilch, andere Kälber preiswerten Milchersatz zu trinken. Weibliche Kälber werden in der Regel in beiden Haltungsformen zu Milchkühen und männliche zur Fleischproduktion gemästet.5

Ungefähr 7000 Liter Milch produziert eine Bio-Milchkuh im Jahr. Dies ist nur durch die Beimischung von Kraftfuttereinsatz möglich. Weil dies einer artgerechten Tierfütterung widerspricht, diskutiert die Bio-Branche den Kraftfuttereinsatz zu reduzieren.3 Die biologische Haltung von Tieren ist das kleinere Übel im Vergleich zur konventionellen Haltung. Tiere in biologisch wirtschaftenden Betrieben haben im Vergleich generell mehr Platz im Stall, bequemere Liegeboxen, mehr Auslauf und somit mehr Möglichkeiten für ein artgerechtes Verhalten.6

Es gibt dabei große Unterschiede zwischen dem EU-Biosiegel und den Siegeln der Dachverbände. So verkürzen beispielsweise die meisten Verbände die Fahrtzeiten und die Entfernung für die Viehtransporte.5 Die Qualität und der Ursprung des Futters werden zudem stärker kontrolliert.

Handlungsempfehlung

Es ist sinnvoll, den eigenen Verbrauch von Milch- und Milchprodukten zu hinterfragen und eventuell zu reduzieren. Unabhängig von den Bedürfnissen der Tiere sind auch die sonstigen Umweltauswirkungen, wie CO2-Ausstoß, Energie- und Wasserbedarf im Vergleich zu pflanzlichen Produkten deutlich schlechter. Milch und Milchprodukte sollten genau wie Fleisch als etwas kostbares angesehen werden.

Kauft man Fleisch oder Tierprodukte, sollte „Bio" nach Möglichkeit erste Wahl sein; am besten regional und von den strengeren Dachverbänden. Die Einstellung der Bauern variiert in dieser Frage stark und es gibt Höfe, die wesentlich mehr für ihre Tiere tun, als vorgeschrieben. Eventuell kann man herausfinden, wie die Bedingungen in regionalen Ställen sind und beim Einkauf Produkte aus artgerechteren Betrieben bevorzugen.

Seien Sie auch politisch aktiv. Hier geht es zur Petition: Tiergerechte Mindeststandards für Milchkühe.

 

 

 

Quellen

1. Verein zur Förderung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise (Demeter): Unterschiede EG-Bio-Verordnung, Bioland, Demeter-Richtlinien, URL: www.vzfbdww.de/informationen/VergleichEGBiolandDemeter.pdf (abgerufen am 27.3.2014)
2. Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft: Wie werden die Tiere auf Bio-Betrieben gehalten? URL: www.boelw.de/fileadmin/alf/biofrage_11.pdf (abgerufen am 27.3.2014)
3. Albert-Schweitzer-Stiftung: Milchkühe. URL: http://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/milchkuehe (abgerufen am 27.3.2014)
4. Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: EU-Verordnung Ökologischer Landbau. Stand Januar 2011, Seite 61,  URL: http://www.umwelt.nrw.de/landwirtschaft/pdf/broschuere_eu-verordnung_oekolandbau.pdf (abgerufen am 19.5.2014)
5. Leo Frühschütz, Von glücklichen Kühen? URL: www.schrotundkorn.de/2013/201305b06.php (abgerufen am 27.3.2014) Schrot und Korn
6. Claudia Wüstenhagen, Welches Siegel hilft den Tieren? (27.3.2012), Zeit Online, URL: http://www.zeit.de/2012/13/Bio-Frage-1-Tiere (abgerufen am 27.3.2014)

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