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Produzieren deutsche Kohlekraftwerke weniger CO2 aufgrund des Ausbaus der erneuerbaren Energien?


So wurde bisher geantwortet :

Ja
Stimmen: 67
31.3%  
Nein
Stimmen: 147
68.7%  

Befragte   214

Antwort

Der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien führt dazu, dass immer mehr Ökostrom in das deutsche Stromnetz eingespeist wird. Dieser saubere Strom hat stets Vorrang im Netz, wodurch immer mehr konventioneller Strom verdrängt wird.1 Doch anstatt die klimaschädliche Produktion zu drosseln, wird konventionell erzeugter Strom ins Ausland verkauft.2 Insgesamt wurde in den Jahren 2012 bis 2013 wesentlich mehr Strom exportiert als importiert, wobei sich der Exportüberschuss in 2013 von 8,8 TWh auf 15,6 TWh nahezu verdoppelt hat.3 Obwohl Deutschland ein Viertel seines Stromes aus weitgehend CO2-freien erneuerbaren Energien bezieht, steigt derzeit die Emmisionsbelastung aus dem nationalen Stromsektor.4

Zusätzliche Informationen

Zu Zeiten hoher Solar- und Windstromeinspeisung bei gleichzeitig geringem Strombedarf laufen besonders Braunkohlekraftwerke unverändert weiter und produzieren Strom für den Export, weil der Strom zur Deckung des Inlandsbedarfs nicht benötigt wird. Das Stromerzeugung durch Kohleverbrennung nicht im Interesse der Energiewende sein kann, ist der Tatsache geschuldet, dass Kohlekraftwerke bei der Stromproduktion besonders große Mengen CO2 erzeugen. Das Argument Kohlekraftwerke müssten zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit am Netz bleiben ist unlogisch, da Gaskraftwerke weit besser geeignet sind kurzfristige Stromlücken zu füllen.4 Aufgrund des historischen Preisverfalls europäischer CO2-Zertifikate ist es für deutsche Kohlekraftwerke überhaupt erst möglich Strom konkurrenzlos preisgünstig im Ausland anzubieten.2 Dies könnte sich jedoch ändern, sobald überschüssige Zertifikate stillgelegt werden und dadurch CO2-Emmisionsberechtigungen kostspieliger werden.

Handlungsempfehlung

Der Ausbau der Energiewende hat nur dann ein positiven Effekt auf das Klima, wenn gleichzeitig die Verbrennung fossiler Brennstoffe gesenkt wird. Dies ist aktuell nicht der Fall! Deutschlands Treibhausgasemissionen sind stattdessen das zweite Jahr in Folge gestiegen (Stand 2013).5 In Deutschland ist aufgrund des öffentlichen Drucks ein Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahre 2022 beschlossen worden. Unser nächstes Ziel sollte der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohlekraft sein. Setzen Sie ein Zeichen und üben Sie Druck aus, indem Sie kein Strom von Stromanbietern beziehen die Kohlekraftwerke betreiben. Informieren Sie Ihren Stromanbieter auch über Ihre Beweggründe.

Kohlekraftwerkbetreiber:

> EnBW Energie Baden-Württemberg AG
> E.ON Kraftwerke GmbH
> Energie SaarLorLux AG
> Grosskraftwerk Mannheim AG
> Gemeinschaftskraftwerk Kiel GmbH
> Infracor GmbH
> Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft mbh
> RheinEnergie AG
> RWE Power AG
> swb AG
> STEAG GmbH
> Stadtwerke Flensburg GmbH
> Stadtwerke Hannover GmbH
> SWK – Stadtwerke Kaiserslautern
> Vattenfall Europe Generation AG

  • Quelle: Bundesnetzagentur6

Viele dieser aufgezählten Stromanbieter bieten auch einen Ökotarif an. Entscheiden Sie sich für solch ein Ökostrom-Tarif, unterstützen sie auch weiterhin finanziell einen Stromanbieter der Kohlekraftwerke betreibt. Eine Auflistung von empfehlenswerten Ökostromanbietern finden man in unserem alternativen Einkaufsführer in der Rubrik Energie & Klima.

 

 

Quellen

1. juris GmbH: Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien. URL: www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/eeg/gesamt.pdf (abgerufen am 25.10.2013)
2. Spiegel Online: Trotz Energiewende - Kohlekraftwerke treiben deutschen CO2-Ausstoß. URL:www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kohle-meiler-treiben-deutschen-co2-ausstoss-a-912724.html (abgerufen am 25.10.2013)
3. Mayer N., Kriefels N. & Burger B.: Kohleverstromung zu Zeiten niedriger Börsenstrompreise – Kurzstudie. Frauenhofer Institut S.18, URL: www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/aktuelles/kohleverstromung-zu-zeiten-niedriger-boersenstrompreise.pdf  (abgerufen am 25.10.2013)
4. Quentin J. (2013): Energiewende? Kohlewende! - DUH-Hintergrund. Deutsche Umwelthilfe. URL: www.duh.de/uploads/media/DUH-Analyse_Kohleboom_treibt_Stromexport_08-2013.pdf  

(abgerufen am 25.10.2013)
5. Reuter B. (Artikel vom 10.03.2014): CO2-AUSSTOSS steigt: Die traurige limabilanz der Energiewende. URL: http://green.wiwo.de/co2-ausstoss-steigt-die-traurige-klimabilanz-der-energiewende/ (26.03.2014)
6. Bundesnetzagentur: Kraftwerksliste der bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und umspannebenen) Stand 02.04.2014. URL: www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Erzeugungskapazitaeten/Kraftwerksliste/kraftwerksliste-node.html (abgerufen 26.05.2014)

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